Elternsein

Zuerst mal: Heute vor einem Jahr war ich also frisch schwanger. Das allein ist schon der Hammer, also die Vorstellung. Denn grade liegt das Resultat dieses ultrahauchdünnen rosa Strichleins neben mir in der Federwiege und schläft selig. Man sagt ja, dass das Elternsein einen verändert. Ich mache inzwischen Dinge, von denen ich niemals gedacht hätte, dass ausgerechnet ich die überhaupt in Erwägung ziehen würde. Das fängt an beim Kontrollriechen am Babypopo, ob eine Wicklung nötig ist, geht über das Studieren von Breifreibüchern bis hin zum Nach-Hause-Rasen, weil mir die zwei Stunden Rückbildung (= Trennung vom Kind) wie eine mittelschwere Folter vorkommen. Dass der Keks die abgepumpte Milch aus der Aventflasche nicht nimmt, ist da nur ein kleiner Teil des Puzzles (aber gut, Schnuller nimmt sie ja auch nicht). Überhaupt macht man plötzlich viele Dinge anders, überhaupt erst oder gar nicht mehr. Erst am Wochenende sprachen der Herzmann und ich darüber, wie gern wir mal wieder ein, zwei Stündchen einfach nur am PC sitzen und zusammen zocken würden. Da macht der Keks aber nicht mit, denn zB Mittagsschlaf ist hier nur problemlos, wenn ich daneben liege (ich versuche den gerade einzuführen, indem ich sie gegen halb eins, eins, wenn sie müde ist, mit hoch nehme, im Bett stille und dann neben ihr liegen beleibe, das funktioniert so bisher auch super). Plötzlich sieht man sich Bücher zur breifreien Beikosteinführung suchen, bestellen und lesen, man besucht Themenvormittage im Geburtshaus, studiert stundenlang Anbieter von Ring Slings und kauft Unmengen an Stoffen für die Kinderklamottenproduktion. Besonders letzteres hätte ich ja nie für möglich gehalten. Ich habe zwar für meine Rollen im Liverollenspiel immer mal was Genäht, aber da hat eben auch niemand so genau auf die Verarbeitung geschaut. Das waren eben nur Kostüme. Jetzt nähe ich tatsächlich für den Keks. Richtige Anziehsachen, die sie im normalen Leben trägt. Und – ohne mich jetzt loben zu wollen – sie sieht so süß darin aus! Es gibt aber auch so tolle Stoffe! Jedenfalls macht es mir riesigen Spaß, für sie zu nähen, und es klappt inzwischen auch richtig gut. Insgeheim wünsche ich mir ja eine Overlockmaschine, damit die Nähte auch richtig gut aussehen. Aber dafür, glaube ich, nähe ich einfach zu wenig, als dass sich das lohnen würde. Zum Geburtstag nächste Woche wünsche ich mir von meinen Eltern einen Ring Sling. Eigentlich gefallen mir die Tücher von Ankalia total super, aber die sind leider unbezahlbar, also gibt es einen Didysling für unseren kleinen Tragling. Übrigens auch so eine Sache, die ich nicht gedacht hätte – dass ich mein Baby mal so oft herumschleppen werde und das auch noch genieße. Plötzlich trägt man sich Termine von Kinderbasaren im Kalender ein. Man sucht nach gebrauchten Babyklamotten und wird von schwangeren Bekannten gefragt, welche Empfehlungen man hat oder wie man dieses oder jenes macht oder gemacht hat. Man freut sich auf einen Urlaub an der Ostsee, zum ersten Mal in einer Ferienewohnung, weil man nun versteht, warum die eigenen Eltern damals mit uns kleinen Kindern nicht ins Hotel sind. Man kauft sündig teure Hochstühle und Federwiegen zum Wucherpreis, weil sie „die besten“ sind und das Beste gerade gut genug für das eigene Kind ist. Man liegt abends stundenlang neben seinem Baby auf dem Sofa und hält ein, damit es nicht aufwacht, wenn man gerade auf Toilette ist. Verrückt! So irre! Und trotzdem kommt es einem absolut richtig vor und nicht wie ein „Opfer“ das man bringt.

Wie hat sich mein Inneres nun aber verändert seit der Geburt unserer Tochter? Der Keks hat aus mir eine Löwenmutter gemacht. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass ich sie nicht gut abgeben kann, obwohl mir das vermutlich auch mal ganz gut tun würde. Ich bin vermutlich nicht unbedingt geduldiger geworden, aber wir arbeiten daran. Gar nicht fehlt mir ehrlich gesagt mein Job bisher – und das hätte ich ebenfalls nie nie niemals gedacht! Ich bin jetzt schon knapp ein halbes Jahr zus Hause, und in mir sträubt sich alles, wenn ich daran denke, dass ich theoretisch im September wieder arbeiten gehen könnte. In der ersten Zeit zu Hause habe ich sogar noch mehrmals täglich meine Firmenmails angeschaut und die Social Media Accounts betrachtet. Seitdem die Kleine da ist, interessiert mich das alles so gut wie gar nicht mehr. Es ist einfach nicht mehr wichtig, hat einen sehr viel geringeren Stellenwert eingenommen. Hätte mir das vor einem Jahr jemand gesagt, hätte ich vehement widersprochen. Die Prioritäten haben sich geändert, andere Dinge sind jetzt wichtiger. Ich kann die Frauen nun nicht mehr verstehen, die sich ganz auf die Karriere konzenttieren. Sie verpassen so vieles, das ihr Leben bereichern könnte. Natürlich schränken einen Kinder auch ein, bzgl. Urlaub und sonstigen Freiheiten, die man als Paar hatte – aber sie bereichern das Leben so ungemein! Ausgestreckte Ärmchen, wenn sie hochgenommen werden wollen, ein Lächeln, das Glucksen wenn man Quatsch mit Ihnen macht – das alles gibt mir persönlich so viel mehr als es ein schöner Urlaub je könnte. Ein klein wenig bereue ich es, nicht schon viel früher Mutter geworden zu sein. Aber der Zeitpunkt war vor einem Jahr einfach ideal, finanziell gesehen und auch vom Umfeld her. Und eines weiß ich garantiert: Ein Keks kommt selten allein (was auch der neue Blogsubtitel ist). Der Keks wird noch ein Geschwisterchen bekommen, und – da sind wir uns einig – das eher früher als später!

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7 Kommentare zu “Elternsein

  1. traumverliebt 22. Januar 2015 um 11:10 Reply

    Hach ❤
    Das ist so toll!

  2. groetjesjette 22. Januar 2015 um 12:08 Reply

    Und trotz der Müdigkeit und anderen „Entbehrungen“ wäre ich so gern schon da wo du bist. 😉 aber alles zu seiner Zeit.
    Und ich freue mich schon auf ein zweites Drachenkatzbaby 😉

    • drachenkatz 22. Januar 2015 um 13:14 Reply

      Ach du… Ich hab das eine Woche nach der Geburt schon gesagt. Dass ich ein zweites will. Nur beim Zeitpunkt musste ich noch mit dem Mann verhandeln. 😁😊

      • groetjesjette 22. Januar 2015 um 14:43

        Mein Bruder und ich sind nur 14 Monate auseinander 😛

  3. Fräulein Sonnenschein 22. Januar 2015 um 12:51 Reply

    In so einigen Dingen deiner Aufzählung sehe ich auch mich … schön geschrieben.
    Mein Krümelchen mochte auch nicht die Aventflaschen und bis heute keinen Schnuller … bei uns waren die einzig funktionierenden Flaschen die von MAM 😉

    • drachenkatz 22. Januar 2015 um 13:15 Reply

      Danke für den Tipp! Habe mir gestern eine MAM bei ner bekannten ausgeliehen und teste demnächst.

  4. Talymiau 24. Januar 2015 um 22:06 Reply

    Ich kann nur unterschrieben was du so schön beschrieben hast. Mir geht es genau so. Ich bin Mama, das hat mich verändert und das war das beste und schönste was mir ja passiert ist 😀

    Und zu dem Nähen, du machst das super! Ich bin schon mega gespannt 😉

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