Sie haben gewonnen!

Und zwar einen 2tägigen Klinkaufenthalt. Ganz großes Kino. Aber von vorn.

Es fing damit an, dass ich am Mittwochmorgen schon merkte, dass das kein guter Tag werden würde. Ich hatte ein paar Schwierigkeiten aufzustehen (Kreislauf) und habe daher lieber lauwarm geduscht statt wie sonst heiß. Eine Freundin hatte sich für diesen Tag angekündigt; sie kommt von etwas weiter her und daher müssen solche Treffen im Vorfeld geplant werden. Wir hatten nichts Bestimmtes vor, wollten nur mittags irgendwo etwas essen gehen und sonst einfach nur reden. Das „Problem“ ist, dass ich mir seit Beginn meiner Schwangerschaft weit im Vorfeld schon immer Gedanken darüber mache, wie Treffen mit ihr so verlaufen werden, denn sie hat im letzten Jahr leider ihren 5 Tage alten Sohn verloren. Dementsprechend schwierig ist die Situation für mich, denn ich habe irgendwie immer ein schlechtes Gewissen – seit es wegen der Schwangerschaft allgemein oder wenn sie fragt wie es mir geht weil ich mich nicht von mir aus melde. Es ist nicht leicht, damit umzugehen, zumal sie auch oft weint wenn wir uns treffen. Ich mag sie wirklich sehr, habe aber immer die Befürchtung, dass sie wieder zu weinen anfängt, weil ich vielleicht etwas Falsches sage oder vor Glück strahle und sie dann an ihren Kleinen denken muss.

Jedenfalls kam sie gegen halb 12 und wir haben erstmal geredet. Da war mir schon leicht schummrig, sodass ich sie lieber bat, uns mit dem Auto zum Essen zu fahren. Es gab dann geegen zwei chinesisch und anschließend bummelten wir noch etwas durchs Einkaufszentrum. Da hatte ich mich schon bei ihr untergehakt, weil aus dem schummrigen Gefühl ein leichter Schwindel geworden war, sobald ich den Kopf irgendwie bewegte. Gegen halb 4 waren wir dann wieder zu Hause. Ich trank einen Kaffee und legte mich aufs Sofa, während wir noch etwas plauderten. Der Kaffee und das Liegen halfen allerdings überhaupt nicht; mir wurde immer schwindeliger. Um halb 5 fuhr sie dann wieder los, der Herzmann würde ja gleich kommen. Sie wollte zwar unbedingt, dass ich beim Arzt anrufe, aber ich bin niemand, der wegen einer vermeintlichen Lappalie gleich die Pferde scheu macht – und außerdem war es ja Mittwochnachmittag. Als sie weg war, wurde mir schon etwas mulmig. Ich kam auf die Idee, mir von der Nachbarin (sie ist Kinderärztin) mal den Blutdruck messen zu lassen. Bis auf den Schwindel hatte ich zwar nichts, aber sicher war sicher, und mich irritierte eben, dass es sich so gar nicht anfühlte wie sonst, wenn mein Kreislauf schwächelt. Also torkelte ich mehr als ich ging nach nebenan. Resultat: 130/75, also ganz normal. Inzwischen war auch der Herzmann da, dem ich geschrieben hatte, dass ich bei Nachbars bin. Er holte mich ab – und das war auch gut so, dass der Schwindel inzwischen auch bei geschlossenen Augen da war. Wir gingen also wieder nach nebenan, ich legte mich hin und stand nur noch auf, wenn ich mal zur Toilette musste. Das ging soweit auch noch, immer schön an der Wand lang. Gegen halb 7 rief ich meine Hebamme an. Sie sagte, ich sollte die Ohrsamen entfernen und, sofern noch dicke Knöchel, Schmerzen im Oberbauch oder Übelkeit dazu kämen, besser in die Klinik fahren, um das abklären zu lassen. Ich sollte etwas essen und trinken und schön liegen bleiben. Also blieb ich liegen. Der Herzmann warf sich eine Pizza ein, denn Hunger hatte ich überhaupt keinen – auch gegen neun noch nicht (und sonst halte ich es kaum noch 5 Stunden ohne einen Happen aus, weil ja nicht mehr so viel reinpasst). Schlecht war mir da aber nicht. Ich wechselte von Linsen auf Brille und wir warfen eine DVD ein. Zwischendrin musste der Herzmann mir schon aufhelfen und mich auf Toilette begleiten. Ich fühlte mich, als hätte ich eine ganze Flasche Tequila allein getrunken. Der Schwindel war nun so stark, dass ich ihn mit geschlossenen Augen ganz dolle merkte, wie seekrank, und auch wenn ich die Augen offen hatte und auf einen Punkt starrte, drehte sich die Welt immer nach rechts.

Gegen Ende des Films musste ich mich hinsetzen. Mir war hundeelend. Und als ich saß, kam etwas Übelkeit auf. Der Herzmann beäugte mich schon ganz kritisch von der Seite, immer wenn er dachte, ich würde es nicht merken. Er sagte aber nichts. Er kennt mich da ganz gut; wenn ich gedrängt werde, blocke ich total ab. Kurz darauf musste ich dann ganz dringend auf Toilette, und als ich dann raus kam und er im Flur auf mich wartete, sagte ich zu ihm: „Wir fahren jetzt. Mir ist gar nicht gut.“ In Windeseile hatte er ein paar Sachen zusammengerafft, mir meine Jeans gebracht und dann saßen wir auch schon im Auto. Da war es etwa elf. Er sah mich immer wieder besorgt von der Seite an. Irgendwann auf der A7, er überholte gerade einen LKW, sagte ich dann, dass ich mich übergeben müsse. Das Auto stand noch nicht ganz auf dem Seitenstreifen, da riss ich schon die Tür auf und übergab mich gerade noch rechtzeitig über die Schwelle nach draußen. Kurz darauf hing ich über der Leitplanke. Muss ein toller Anblick gewesen sein. Immerhin haben wir so dem Krawallkeks was zu erzählen, wenn sie dann irgendwann alt genug ist. Danach ging es mir etwas besser und wir fuhren weiter. Es sind nur knapp 20 Minuten bis zur Klinik von uns aus.

Dort eingetroffen, torkelte ich wie eine Besoffene auf Droge mit Hilfe des Herzmanns ins Gebäude. Wir mussten eine Menge Angaben machen, im Stehen, obwohl man deutlich sah, dass es mir richtig beschissen ging. In dem Moment dachte ich nur daran, dass ich eigentlich noch 4 Wochen warten wollte, bis ich Mama werde. Ich machte mir wahnsinnige Sorgen um das kleine Mädchen. Der Herzmann war auch kreidebleich. Nach einer gefühlten Ewigkeit durften wir dann zum Kreißsaal, wo ich erstmal als CTG angeschlossen wurde und wir wieder eine Menge Fragen für die Akte beantworten mussten. Ich bin so froh, dass der Herzmann den Großteil erledigt hat. Als wir nach etwa 10 Minuten dann allein im Raum waren, fragte er mich, ob es okay sei, wenn er kurz nochmal raus ginge. Später hat er mir erzählt, dasser tieirsch nervös war und einfach frische Luft brauchte, weil er dachte, dass er gleich Papa würde. Für mich wars okay, also war er knappe zehn Minuten draußen. Als er wieder kam, wurde gerade das CTG begutachtet und für astrein befunden. Anschließend ging es zum Ultraschall. Versorgung prima, Kind bei etwa 2.600 Gramm, Fruchtwasser tiptop. Sie wollten mich aber nicht nach Hause schicken mit diesem Schwindel, und so bekam ich einen Zugang gelegt und ein Einzelzimmer auf der Wochenstation. Gegen zwei Uhr gab es dann die erste Infusion für mich. Der Herzmann fuhr nach Hause, während ich versuchte, etwas zu schlafen. Alle halbe Stunde klingelte irgendwo irgendwas. Um vier bekam ich die nächste Infusion, beschissen ging es mir da immer noch. Ich musste klingeln, wenn ich auf Toilette musste (was quasi dauernd war, da schließlich ständig Flüssigkeit in mich getropft wurde). Um acht gab es dann Frühstück, das ich zum Großteil habe stehen lassen, weil ich keinen Hunger hatte. Kurz darauf war der Herzmann wieder da, mit Augenringen bis zum Bauchnabel, und hatte mir ein paar Sachen gepackt (die Kliniktasche hatte ich noch nicht fertig gepackt). Außerdem Äpfel und Kekse, mein Held!

Um halb 10 war Visite. Besser ging es mir da noch nich. Der Oberarzt testete meine Augenbewegungen mit einem Stift, wirkte aber ratlos und ordnete „auf Verdacht“ erstmal 3x täglich eine Infusion mit 1000 mg Paracetamol an. Das verstand ich zwar nicht, weil das ja ein Schmerzmittel war und ich immer wieder sagte, dass mir nichts weh tut, aber in dem Moment war ich einfach nur froh, dass sich jemand um mich kümmerte. Es wurde vermutet, dass der Schwindel durch Stress oder etwas Neurologisches oder etwas im Ohr hervorgerufen wurde. Kurz darauf kam noch eine Physiotante, die mir Nacken und Schultern massierte. Dann gabs die Infusion für mich. Danach war alles wie vorher. Allerdings nach der zweiten ging es schon besser mit dem Schwindel, und spätabends nach der dritten Infusion war es deutlich besser, wenn auch nicht ganz weg. Zwischendurch wurde mir Blut abgenommen, und 2x ein CTG geschrieben. Ich war so froh, dass es der kleinen Maus immer noch blendend ging! Abends kam der Herzmann nochmal vorbei, total müde sah er aus. Ich schickte ihn nach Hause, er solle schlafen.

Am nächsten Morgen gab es wieder eine Infusion. Es ging mir eigentlich so wie abends zuvor. Ich musste nicht mehr klingeln, um zur Toilette zu gehen. Ich wollte nur noch nach Hause; Paracetamol haben wir schließlich auch hier und ich wollte nicht übers Wochenende im Krankenhaus liegen. Der Arzt ordnete bei der Visite noch einige Untersuchungen an und machte mir die Auflage, am Montag zum Frauenarzt zu gehen, sowie mich beim HNO und Neurologe vorzustellen, dann durfte ich tatsächlich gehen. Das letzte CTG und ein weiterer Ultraschall waren zufriedenstellend. Und am Freitag gegen drei war ich dann wieder zu Hause.

Inzwischen geht es mir so wie gestern. Der Schwindel ist noch minimal da, ich würde sagen, ich bin zu 80 % wiederhergestellt. Keine Ahnung was es war. Eine Hebamme dort in der Klinik vermutete ganz deutlich den emotionalen Stress wegen des Besuchs meiner Freundin. Ich bin mir da echt nicht sicher. Spannungskopfschmerzen hatte ich immer schon, auch dass es im Nacken ganz doll knackt und dann teilweise sofort der Schmerz weg ist, ist nix Neues für mich. Vielleicht ist es wirklich was mit den Nerven im Nacken. Wenn ich den Kopf neige und dann drehe oder wenn ich aufstehe und dabei den Kopf irgendwie bewege, ist mir immer noch schwindelig. Deswegen mache ich ganz langsam, nehme aber kein Paracetamol mehr. Montagfrüh gehts dann zum Frauenarzt und ich hole mir ein paar Überweisungen, dann sehen wir weiter. Solange es der Kleinen gut geht, halte ich alles aus was da noch kommt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: